Einleitung
Der Winter stellt viele Trainer in Deutschland jedes Jahr vor dieselbe Herausforderung: gefrorene oder unbespielbare Plätze, abgesagte Einheiten und die Sorge, körperlich wie mental den Anschluss zu verlieren. Doch auch ohne Rasen lässt sich effektives, teamorientiertes Training gestalten. Entscheidend ist, die Zeit sinnvoll zu nutzen, mit Laufeinheiten, Kraftausdauereinheiten und kreativen alternativen, die das Team weiterbringen.
Grundgedanken für das Training ohne Platz
Wenn kein Fußballplatz zur Verfügung steht, sollte der Fokus auf athletischen Grundlagen, Teamzusammenhalt und mentaler Frische liegen. Wichtig ist dabei:
- Klare Struktur trotz alternativer Inhalte
- Belastungssteuerung (Winter = höhere Verletzungsgefahr, vor allem für Muskelverletzungen)
- Gemeinsames Training als Team - auch ohne Ball
Ein gut geplantes Alternativtraining kann sogar ein Vorteil sein, da im normalen Trainingsalltag oft genau diese Inhalte zu kurz kommen.
Laufeinheiten: Ausdauer und Robustheit aufbauen
Laufen ist im Winter die einfachste und effektivste Trainingsform. Parks, Waldwege oder ruhige Straßen bieten ideale Möglichkeiten.
- Intervallläufe im Team
- 3-4 Serien
- 3 Minuten zügiges Tempo
- 2 Minuten lockeres Traben
- Läufe in der Gruppe zusammen oder in Kleingruppen → Teamgefühl stärken
Coaching-Tipp: Tempo so wählen, dass die Gruppe zusammenbleibt. Stärkere Spieler übernehmen Führungsrolle
- Fahrtspiel (variabler Dauerlauf)
- 20-30 Minuten Gesamtdauer
- Tempowechsel nach Trainerkommando oder Gelände
- Sprints bergauf, lockeres Tempo bergab
Diese Form schult nicht nur die Ausdauer, sondern auch die Anpassungsfähigkeit, ähnlich wie im Spiel, wo es auch sehr dynamisch, mit vielen Tempowechseln zugeht.
- Kurze Sprintfolgen
- 6-10 mal 60-80 Meter
- Fokus auf saubere Lauftechnik
- Ausreichende Pausen
Ideal, um die Schnelligkeit trotz fehlender Spielformen zu erhalten.
Kraftzirkel: Stabilität und Kraftausdauer entwickeln
Krafttraining ist im Winter essenziell, vor allem präventiv. Ein gut organisierter Zirkel lässt sich nahezu überall durchführen: Turnhalle (wenn verfügbar), Parkplatz, Vereinsheim oder draußen.
Beispiel-Kraftzirkel (30-40 Sekunden Belastung / 20 Sekunden Pause)
- Kniebeugen
- Liegestütze
- Ausfallschritte
- Unterarmstütz (Plank)
- Seitstütz links/rechts
- Mountain Climbers
- Rückenstrecker
→ 2-3 Durchgänge, kurze Serienpausen
Schwerpunkt: Rumpf, Beine und Schultergürtel. Zentrale Bereiche für Zweikämpfe und Stabilität.
Kombinierte Lauf- & Kraftformen
Besonders effektiv sind Einheiten, die Ausdauer und Kraft verbinden:
- 400 Meter Lauf
- direkt danach 20 Kniebeugen + 15 Liegestütze
- 90 Sekunden Pause
- 4-6 Wiederholungen
Diese Belastungsform kommt der Spielrealität sehr nahe und fordert sowohl körperlich als auch mental.
Kreative Alternativen ohne klassischen Fußball
Koordinations- & Reaktionstraining
- Lauf-ABC
- Koordinationsleitern
- Sprünge
- Partner-Reaktionsspiele (Richtungswechsel auf Kommando)
Team-Challenges
- Staffelläufe
- Kraft-Challenges in Kleingruppen
- Gemeinsame Zielvorgaben (z.B. "1000 Squats als Team")
→ Belohnungen für das Gewinnerteam erhöhen die Motivation
Solche Inhalte fördern den Zusammenhalt und sorgen für Abwechslung.
Mentale Komponente nicht vergessen
Nutze die Winterzeit auch für:
- Kurze Teamgespräche
- Saisonreflexion
- Zielsetzungen für die Rückrunde
- Videoanalysen
Gerade in Phasen ohne Balltraining sind Kommunikation und Motivation entscheidend.
Fazit
Gesperrte Plätze bedeuten keinen Trainingsstillstand. Im Gegenteil: Der Winter bietet die perfekte Gelegenheit, athletische Defizite auszugleichen, Verletzungen vorzubeugen und das Team enger zusammenzuführen. Mit strukturierten Laufeinheiten, durchdachten Kraftzirkeln und kreativen Alternativen bleibt dein Team fit, körperlich wie mental und ist bestens vorbereitet, sobald der Platz wieder freigegeben wird.